Schlüsselübergabe -Trump hätte das nicht gemacht

Eine Klar­stel­lung gleich zu Be­ginn:

das ist hier kein po­li­ti­sches State­ment, son­dern nur ein Bei­spiel da­für, was Men­schen tun wür­den, die be­wie­sen ha­ben, dass sie im Be­reich Im­mo­bi­lien so ei­ni­ges rich­tig ge­macht ha­ben.

Wenn Sie dazu ge­hö­ren wol­len, schauen Sie in die „11 Gol­de­nen Mak­ler­re­geln“ rein.

Heu­ti­ges Thema:

Gutgläubige Schlüsselübergabe vor Geldeingang – was ist daraus geworden?

Wie lau­tet eine der Weis­hei­ten der Be­dui­nen? „Erst, wenn du mit ei­nem Men­schen ei­nen Sack Salz ge­ges­sen hast, kennst du ihn“ dazu mehr wei­ter un­ten…

Die drei fa­tals­ten Feh­ler pri­va­ter Haus­ver­käu­fer:

1. sie ver­wech­seln ge­schäft­li­che Vor­gänge mit Freund­schaft
2. sie hö­ren nicht auf Ihr Bauch­ge­fühl
3. sie hal­ten sich nicht an ver­trag­li­che Grund­la­gen

Ein­mal an­ge­nom­men, Sie ha­ben ge­rade Ihr Ob­jekt ver­kauft, d. h. die no­ta­ri­elle Be­ur­kun­dung fand statt, mehr dazu in den „11 Gol­de­nen Mak­ler­re­geln„, Ihr Wunsch­preis soll zum ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Zeit­punkt auf Ih­rem Konto ein­ge­hen und Sie wer­den Ihr Ob­jekt an den Käu­fer über­ge­ben.

So ge­sche­hen vor ein paar Mo­na­ten, als wir (un­ser Bü­ro­team und ich) die Dop­pel­haus­hälfte ei­nes Rent­ners an ein jun­ges Paar ver­kauf­ten.SchlüsselübergabeSchlüsselübergabeSchlüsselübergabe

Zwei Wo­chen vor der ge­plan­ten Über­gabe rief uns der Rent­ner an mit der Frage, was er tun solle, denn das junge Paar wollte un­be­dingt schon in das leer­ge­räumte Haus, um für die Mö­bel und die Um­bau­maß­nah­men al­les aus­zu­mes­sen.

Tja, was soll­ten wir ihm ra­ten?

Hier war Expertenrat gefordert

Die An­ge­le­gen­heit war des­we­gen nicht ein­fach, weil er zu dem vor­ge­schla­ge­nen Ter­min bei sei­nen Kin­dern sein wollte und wir be­reits feste Aus­wärts­ter­mine hat­ten, die wir nicht ab­sa­gen konn­ten.

Und so kam der nette äl­tere Herr auf die Idee, er werde sei­nen Nach­barn bit­ten, dass er das junge Paar zum ver­ab­re­de­ten Zeit­punkt ins Haus las­sen könnte.

Okay, das klang plau­si­bel. Der hilfs­be­reite Nach­bar war ein­ver­stan­den. Er er­klärte sich be­reit, sich die Zeit von ca. ei­ner Stunde zu neh­men, um dar­auf zu ach­ten, dass die jun­gen Leute auch wirk­lich nur das Aus­mes­sen vor­nah­men und kei­nen „an­de­ren Blöd­sinn“ wie das Her­un­ter­rei­ßen von Ta­pe­ten „ver­zapf­ten“. Die Ge­schichte vom „Klop­fer“ in den „11 Gol­de­nen Mak­ler­re­geln“ wird Sie in die­sem Zu­sam­men­hang sehr in­ter­es­sie­ren.

An dem be­sag­ten Tag war ich mit mei­nem Be­spre­chungs­ter­min eher fer­tig und hatte die Ein­ge­bung, weil ich auf dem Rück­weg so­wieso fast am Ob­jekt vor­bei­kam, doch mal nach­zu­schauen, ob mit dem Haus un­se­res Auf­trag­ge­bers al­les in Ord­nung wäre.

Intuitiv hatte ich den Hausschlüssel morgens schon eingesteckt

Ich hielt mein Auto vor dem Grund­stück, ging zum Haus, schloss die Haus­tür auf und wun­derte mich so­fort, dass ir­gend­wie ein an­de­rer Ge­ruch in der Luft lag. Ich ging durch den klei­nen Vor­flur, da war al­les in Ord­nung. Aber als ich die nächste Tür öff­nete, traute ich mei­nen Au­gen nicht: Farb­ei­mer, Flie­sen­pa­kete, Ta­pe­ten­rol­len, Werk­zeuge, eine auf­ge­klappte Werk­zeug­kiste, eine Ma­ler­lei­ter, Ma­ler­fo­lien und zwei Paar alte Schuhe und ein Schutt­hau­fen mit ab­ge­schla­ge­nen Flie­sen fand ich vor!

Was hatte das zu be­deu­ten? Ich ging wei­ter und sah, dass be­reits die Holz­pa­neele in der Kü­che ent­fernt wor­den war und im Bad ei­nige der Flie­sen ab­ge­schla­gen wor­den wa­ren. Ach du meine Güte!! So war das doch nicht ab­ge­macht! Was sollte ich jetzt tun?

Ich nahm mein Handy und machte Fo­tos. Von al­len Räu­men und ver­ließ das Haus mit dem Ge­dan­ken, mal beim Nach­barn zu klin­geln. Das tat ich. Aber ohne Er­folg. Er war nicht zu Hause. An­schlie­ßend wählte ich die Num­mern mei­nes Auf­trag­ge­bers und der Käu­fer. Aber auch ohne Er­folg. Also musste die An­ge­le­gen­heit bis zum nächs­ten Tag war­ten.Haus verkaufen

Als wir uns am nächs­ten Vor­mit­tag mit dem Ei­gen­tü­mer un­ter­hal­ten konn­ten, er­fuh­ren wir fol­gen­des:

Das junge Paar hat den Nach­barn ge­gen den Ei­gen­tü­mer aus­ge­spielt mit der Be­haup­tung, dass sie die Ge­neh­mi­gung hät­ten, schon mal mit den Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten an­fan­gen zu dür­fen. Der Nach­bar glaubte ih­nen nicht gleich und ver­suchte des­halb, den Ei­gen­tü­mer te­le­fo­nisch zu er­rei­chen. Weil ihm das nicht ge­lang und das junge Käu­fer­paar ihn mit En­gels­zun­gen im­mer wie­der zu über­re­den ver­suchte, und dass es wirk­lich stimme, dass sie schon mal mit den Ar­bei­ten an­fan­gen dürf­ten, so gab er schließ­lich nach. Zu­sätz­lich über­zeug­ten die jun­gen Leute ihn mit ih­rem Ar­gu­ment, dass sie jetzt ge­rade eine Wo­che Ur­laub hät­ten und in der Zeit schon rich­tig viel schaf­fen könn­ten, was den Ein­zug so viel leich­ter ma­chen würde.

Mo­ment mal, so war das doch nicht ge­plant, dachte ich.

Da hatten wir den Salat!

We­nigs­tens konnte ich mir im an­schlie­ßen­den Te­le­fo­nat mit dem Bank­be­ra­ter, das mir die Käu­fer ge­neh­mig­ten, aber­mals die Aus­zah­lung des Kauf­prei­ses be­stä­ti­gen las­sen.

Das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Ver­käu­fer und Käu­fer war durch das un­er­laubte Han­deln der Käu­fer zu­min­dest vor­erst zer­stört und es galt, die zwei Wo­chen ab­zu­war­ten und gute Miene zum bö­sen Spiel zu ma­chen.

Die zwei Wo­chen gin­gen ins Land, der Ei­gen­tü­mer ließ die Käu­fer re­si­gnie­rend wei­ter in ih­rem Tun ge­wäh­ren und der Tag des Zah­lungs­ein­gan­ges nahte.

Dass der – ein Sams­tag – noch ein­mal den Be­tei­lig­ten den Schreck in die Glie­der fah­ren ließ, macht die­sen Haus­ver­kauf wahr­lich zu et­was Be­son­de­rem. Weil Aus­zah­lun­gen nur an Werk­ta­gen er­fol­gen, so die Bank, gab es eine Zit­ter­par­tie bis zum dar­auf­fol­gen­den Mon­tag. Aber da­nach war al­les klar. End­lich! Nun konnte der Haus­ver­kauf als ab­ge­schlos­sen be­trach­tet wer­den.

Fa­zit

Sie als Haus­ver­käu­fer er­spa­ren sich viel Är­ger und ge­schun­dene Ner­ven, wenn Sie sich ein­fach nur an die Ab­ma­chun­gen in Ih­rem Kauf­ver­trag hal­ten. Keine noch so gut ge­mein­ten Ver­spre­chun­gen wie­gen den Är­ger auf, den Sie sich ein­han­deln kön­nen, wenn sie sich als leere Ver­spre­chun­gen ent­pup­pen.

Des­halb: Trump hätte das nicht ge­macht. Er hätte mit Si­cher­heit nie­man­den vor dem ver­trag­lich fest­ge­leg­ten Da­tum in sein Ob­jekt ge­las­sen.

In die­sem, un­se­ren Falle ist ja noch mal al­les gut­ge­gan­gen. Aber, und hier kom­men wir auf die obige Weis­heit der Be­dui­nen zu­rück, dass man erst ei­nen Men­schen ken­nen kann, wenn man ei­nen Sack Salz mit ihm ge­ges­sen hat. Der Käu­fer als auch der nette Nach­bar sind den Wor­ten der Haus­käu­fer auf den Leim ge­gan­gen, ha­ben ih­nen zu schnell ver­traut, ohne sie zu ken­nen. Das mit den Be­dui­nen und dem Sack Salz ist nicht ganz ernst zu neh­men, zu­min­dest nicht für eine Schlüs­sel­über­gabe. Aber Sie ver­ste­hen das Prin­zip da­hin­ter…

Der freund­lichste Käu­fer mit dem wun­der­bars­ten Au­gen­auf­schlag kann sich als ei­ner ent­pup­pen, der wort­brü­chig ist und Ih­nen Ihr Ob­jekt ver­wüs­tet, noch ehe der Geld­ein­gang ge­sche­hen ist.

Und zum Schluss: ma­chen wir uns nichts vor. Kommt es denn für die Käu­fer wirk­lich auf diese zwei Wo­chen an!? Ein paar Jahre wei­ter ge­dacht, wer­den diese zwei Wo­chen keine Be­deu­tung mehr ha­ben. Von der Seite her be­trach­tet, be­kommt die Frage nach „eher ins Ob­jekt zu wol­len“, eine an­dere Fär­bung. Im obi­gen Fall sind na­tür­lich für die ver­spä­tet ein­ge­gan­gene Kauf­preis­zah­lung an­tei­lige Ta­ges­zin­sen an­ge­fal­len. Zu­sam­men ge­fasst: Blei­ben Sie Ih­rem Käu­fer ge­gen­über stand­haft, dazu mehr in den „11 Gol­de­nen Mak­ler­re­geln„, oder ge­ben Sie nur im Aus­nah­me­fall die Er­laub­nis, vor dem Zah­lungs­ein­gang in Ih­rem Ob­jekt Ver­än­de­run­gen vor­zu­neh­men. So würde Trump es (wohl) ma­chen – was na­tür­lich nur eine Ver­mu­tung ist.

Ha­ben Sie Fra­gen oder An­re­gun­gen für an­dere pri­vate Haus­ver­käu­fer, dann schrei­ben Sie mir.

Ihre Mak­le­rin mit Herz
Inge Helbig-Scharf

 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Be­wer­tun­gen, Durch­schnitt: 4,20 von 5)
Loa­ding...