Wie Sie bei Ihrer Online-Immobilienbewertung 75.000 € verlieren können

Test­be­richt zur Online-Immobilienbewertung

Fort­set­zung – Teil 2 von 2

Wir prüf­ten im Team noch ein­mal, ob wir auch nichts ver­ges­sen hat­ten. Wir gin­gen jede An­gabe durch, um fest­zu­stel­len, ob wir die Häk­chen an der rich­ti­gen Stelle ge­setzt hat­ten.

Die Anmeldung für die Online-Immobilienbewertung

Dann la­sen wir den Hin­weis: „Kli­cken Sie auf den Weiter-Button, um sich an­zu­mel­den oder zu re­gis­trie­ren. Im An­schluss daran kön­nen Sie das Be­wer­tungs­er­geb­nis ab­ru­fen“. Wir re­gis­trier­ten uns bzw. mel­de­ten uns an und ich nahm meine Kre­dit­karte zur Hand, weil als nächs­tes si­cher die Auf­for­de­rung zum Be­zah­len er­schei­nen würde.

Die Eingabe der Email-Adresse

Die Auf­for­de­rung er­schien nicht, statt­des­sen die Frage: „Neu bei uns?“ und „Email-Adresse ein­ge­ben“. Wir über­leg­ten kurz, dass es sinn­voll und rich­tig wäre, un­sere Firmen-Email-Adresse ein­zu­ge­ben, also die Adresse, mit der wir un­sere Ob­jekte üb­li­cher­weise dort ein­stel­len. Hier wird der pri­vate Haus­ver­käu­fer seine pri­vate Email-Adresse ein­zu­ge­ben ha­ben. An­schlie­ßend hat er die Mög­lich­keit zu ent­schei­den, ob er mit der Kre­dit­karte oder per Rech­nungs­er­halt be­zah­len will. Vor die­ser Frage wird ein Nut­zer die­ses On­lin­e­be­wer­tungs­sys­tems ste­hen. Wer nur ein­ma­lig die­ses Sys­tem nutzt, wird ent­we­der per Kre­dit­karte oder per Rech­nung be­zah­len.

Wie wollen Sie bezahlen? Mit Kreditkarte oder per Rechnung?

Da­nach tra­fen wir die Ent­schei­dung zur Ein­zel­bu­chung, die ein­ma­lig 24,90 € zu­züg­lich Mehr­wert­steuer kos­tete.

„An­ga­ben prü­fen“ muss­ten wir nicht mehr, da wir ja al­les rich­tig ge­macht hat­ten.

„Hin­weis zur Pro­dukt­aus­wahl und zur Be­zahl­art“ be­deu­tete, dass man im Mo­nat zehn Ob­jekte on­line be­wer­ten kann. Das woll­ten wir nicht, denn wir woll­ten nur diese eine Test­be­wer­tung vor­neh­men.

Wir ka­men nicht um­hin, auf „An­ga­ben prü­fen“ zu drü­cken. Da­mit hat­ten wir eine Ein­zel­be­wer­tung für 24,90 € zu­züg­lich Mehr­wert­steuer über Rech­nung ge­bucht. Da­nach wa­ren noch die AGB’s zu le­sen, die nicht ex­tra ab­ge­hakt wer­den muss­ten, wir hat­ten sie so­mit ak­zep­tiert und klick­ten auf „jetzt be­zah­len“. Da­nach wur­den uns noch wei­tere zwei Nach­be­wer­tun­gen, die sich auf un­ser Ob­jekt be­zo­gen, an­ge­bo­ten, die wir je­doch nicht nut­zen woll­ten.

Und dann stieg unsere Spannung

Wir la­sen, dass un­ser Ob­jekt ei­nen durch­schnitt­li­chen Wert von

1.500 € pro m² Wohn­flä­che auf­wies.

Die er­mit­telte Wertspanne be­lief sich auf

1.350 bis 1.600 € pro m².

Der durch­schnitt­li­che Markt­wert für diese Im­mo­bi­lie be­trug

176.000 €.

Da­bei wurde nicht nach der Un­ter­schei­dung des Grund­stü­ckes – Ei­gen­tum oder Erb­pacht – ge­fragt. Die­ser Um­stand, Grund und Bo­den in der Be­wer­tung gänz­lich au­ßen vor zu las­sen, las­te­ten wir dem Sys­tem als Schwä­che an.

Fer­ner hieß es:

„Wertspanne für diese Im­mo­bi­lie“: Sie reichte von

158.000 € bis 193.000 €.

Eine kostenfreie Neuberechnung kann durchgeführt werden

Da­nach wur­den wir dar­auf hin­ge­wie­sen „Sie kön­nen für diese Im­mo­bi­lie noch zwei kos­ten­freie Neu­be­rech­nun­gen durch­füh­ren.“ Das woll­ten wir nicht und scroll­ten wei­ter her­un­ter. Dar­auf­hin er­schien „Sicht­bar­keit der In­for­ma­tio­nen im PDF ein­stel­len, Adresse voll­stän­dig ein­stel­len.“

Wir stell­ten uns die Frage – und so wird das je­der un­ge­übte Nut­zer tun – was ge­meint war mit „Sicht­bar­keit an­pas­sen, im PDF ein­stel­len“. Wir ver­mu­te­ten, dass wir uns jetzt das Er­geb­nis her­un­ter­la­den kön­nen und des­halb noch ein­mal die Frage, ob die Adresse voll­stän­dig er­schei­nen solle oder nicht. Das war wohl mit „Sicht­bar­kei­ten“ ge­meint.

Noch ein­mal die Frage „Wür­den Sie eine Neu­be­wer­tung durch­füh­ren?“. Nein, das be­nö­tig­ten wir nicht.

Die Online-Immobilienbewertung weiterempfehlen

„Wür­den Sie die Im­mo­bi­li­en­be­wer­tung wei­ter­emp­feh­len, 10 Punkte für ja auf je­den Fall, 0 Punkte für auf gar kei­nen Fall.“

Im Ge­spräch stell­ten wir für uns fest, dass es zwar mal Spaß ge­macht hätte, die Online-Bewertung durch­zu­füh­ren, aber für uns kei­nen Sinn machte.

Das Geheimnis wird gelüftet

Nun nah­men wir den Kauf­ver­trag von un­se­rem Ver­gleichs­ob­jekt zur Hand, das vor sechs Mo­na­ten no­ta­ri­ell be­ur­kun­det wurde. Wir wa­ren ge­spannt, wel­che Über­ra­schung uns be­vor­stand.

Un­ser Ob­jekt, das wir für un­sere Auf­trag­ge­ber ver­kauft hat­ten, er­zielte ei­nen Ver­kaufs­er­lös von

251.000 €.

Da blieb uns doch glatt die Spu­cke weg! Wir wa­ren sprach­los! Zu­mal es sich bei un­se­rem ver­kauf­ten Ob­jekt um ein Erb­pacht­grund­stück han­delte.

Wir rech­ne­ten:

Un­ser real er­ziel­ter Ver­kaufs­preis:

251.000 €

Durch­schnitt­li­cher Markt­wert von der Online-Immobilienbewertung (nicht ein­mal Ver­kehrs­wert):

176.000 €,

er­gibt eine Dif­fe­renz von   75.000 €.

Einmal angenommen

un­sere Kun­den hät­ten, um Geld zu spa­ren, uns nicht als Mak­ler be­auf­tragt, son­dern sie hät­ten ih­ren Ver­kauf pri­vat und auf ei­gene Faust ver­sucht, dann darf da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass sie sich auch das Geld für ei­nen Gut­ach­ter (min­des­tens 600 €) ge­spart hät­ten. Denn die Online-Immobilienbewertung für ganze 24,90 € klang ver­lo­ckend. Sie aber hätte ih­nen den

Rie­sen­ver­lust von 75.000 €

er­bracht, falls sie den hier er­mit­tel­ten Ver­kaufs­preis, so wie vor­ge­fun­den, über­nom­men hät­ten.

Das ein­zig Gute daran wäre ge­we­sen, dass sie von ih­rem Ver­lust keine Ah­nung ge­habt hät­ten. Online-Immobilienbewertung

In Pro­zent aus­ge­drückt er­ge­ben die 75.000 € eine Min­de­rung um rund 30 %.

Un­ser Team war dar­über ei­ni­ger­ma­ßen fas­sungs­los. Denn 75.000 € ha­ben oder nicht ha­ben – das ist ein ge­wal­ti­ger Un­ter­schied! Diese große Dif­fe­renz­summe macht durch­aus den Ge­gen­wert ei­nes Neu­wa­gens aus der ge­ho­be­nen Lu­xus­klasse aus.

Das schön auf­ge­machte PDF half über un­sere Er­kennt­nis auch nicht hin­weg.

Am Ende des Be­wer­tungs­tex­tes steht der Hin­weis auf den Haf­tungs­aus­schluss: „…Da­her wird keine Haf­tung für die Kor­rekt­heit der hier dar­ge­stell­ten Daten über­nom­men.“

Auf welcher Basis findet die Online-Immobilienbewertung statt

Die Online-Immobilienbewertung fin­det auf der Ba­sis von Ver­gleichs­ob­jek­ten mit hin­rei­chend über­ein­stim­men­den Zu­stands­kri­te­rien statt. Fer­ner wird dar­auf hin­ge­wie­sen: „Es wird emp­foh­len vor Ab­schluss ei­ner wirt­schaft­li­chen Trans­ak­tion ein Gut­ach­ten von ei­nem Im­mo­bi­li­en­sach­ver­stän­di­gen er­stel­len zu las­sen. Das aus­ge­wie­sene Er­geb­nis stellt eine Wert­in­di­ka­tion und kein Ver­kehrs­wert­gut­ach­ten im Sinne der ein­schlä­gi­gen ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten dar.“

Fazit:

Der pri­vate Haus­ver­käu­fer will bei der Wert­mitt­lung sei­ner Im­mo­bi­lie Geld spa­ren. Da kommt ihm das ver­lo­ckende An­ge­bot von der Online-Immobilienbewertung in zwei­er­lei Hin­sicht ent­ge­gen: Ers­tens ist es um ein Viel­fa­ches güns­ti­ger, als ei­nen Ex­per­ten (Gut­ach­ter oder Mak­ler) zu be­auf­tra­gen und zwei­tens kann er al­les sel­ber ma­chen.

Das ist ge­nau das, was sehr viele pri­vate Haus­ver­käu­fer lie­ben – und fal­len da­bei ge­hö­rig auf die Nase. Blut­leere Ma­schi­nen oder Pro­gramme ver­mö­gen nicht zu leis­ten, was sich ihre Nut­zer von ih­nen ver­spre­chen. Jede Im­mo­bi­lie ist ein Uni­kat! Sie lässt sich schwer in ein Pro­gramm über­set­zen! Als sol­ches muss sie in ih­rer Be­wer­tung be­trach­tet wer­den.

Es mag sein, dass für die Be­wer­tung an­de­rer Ob­jekte rea­lis­ti­schere Er­geb­nisse er­zielt wer­den. Für un­sere Test­be­wer­tung zu­min­dest wich der er­mit­telte Wert um 30 % nach un­ten vom real er­ziel­ten Ver­kaufs­er­lös ab. Das wäre Geld­spa­ren am fal­schen Ende ge­we­sen. Au­ßer­dem wäre es wün­schens­wert, wenn das Por­tal im Online-Formular die Auf­nahme bzw. Be­rück­sich­ti­gung, ob es sich um ein Eigentums- oder Erb­pacht­grund­stück han­delt, vor­neh­men würde. Es macht ei­nen ge­wal­ti­gen preis­li­chen Un­ter­schied, ob ein Ob­jekt auf ei­nem Ei­gen­tums­grund­stück steht oder auf ei­nem Erb­pacht­grund­stück.

Wir wol­len Ih­nen von ei­ner Online-Immobilienbewertung nicht ab­ra­ten. Sie kann für Sie ein Grund­ge­rüst sein, über wel­che Fak­to­ren Sie sich hin­sicht­lich des an­zu­stre­ben­den Ver­kaufs­prei­ses im Vor­feld Ge­dan­ken ma­chen soll­ten.

Wissen Sie, wer mit in Ihrem (Verkaufs-)Boot sitzt? Der Bankberater Ihres Käufers

Wir wol­len Ih­nen hel­fen, Ih­ren re­al­erziel­ba­ren Ver­kaufs­preis zu er­mit­teln, der auch dem Ban­ker Ih­res Käu­fers „schmeckt“, also über­zeugt. Denn letzt­end­lich steht und fällt der Ver­kauf Ih­rer Im­mo­bi­lie da­mit, ob der Ban­ker Ih­rem Käu­fer, ent­spre­chende Bo­ni­tät vor­aus­ge­setzt, die Hy­po­thek in der ge­wünsch­ten Höhe ge­wäh­ren wird.

Hier kli­cken, denn in un­se­ren „11 Gol­de­nen Mak­ler­re­geln“ zei­gen wir Ih­nen alle For­meln, die Sie zur Wert­ermitt­lung ei­ner Im­mo­bi­lie an­wen­den soll­ten.

Hat Ih­nen mein Ar­ti­kel ge­fal­len? Konnte ich Ih­nen wei­ter­hel­fen? Schrei­ben Sie ei­nen Kom­men­tar

 

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